Nach einem 0:4 in Mönchengladbach schien sich die bisherige Seuchensaison auch im ersten Spiel des neuen Kalenderjahres nahtlos fortzusetzen. Acht Spiele später hat unser FCA vorerst den Abstiegskampf hinter sich gelassen. Fünf Siege in der Rückrunde, ein stabiler neunter Platz und obendrein eine Mannschaft, die seit längerem wieder Freude im Stadion verbreitet – die Rezeptur für Zufriedenheit im Schwabenland kann so einfach sein. So macht unser FCA wieder Spaß!
Im Freudentaumel nach dem jüngsten Sieg gegen Köln dürfen auch wir uns als Tribüne bestätigt fühlen. Die vielen enttäuschenden Auftritte der Hinrunde, insbesondere die Offenbarungseide wie das 0:6 gegen Red Bull, das Aus im Pokal und die Schlappe in Sinsheim hatten das Potential, die Stimmung kippen zu lassen. Das Credo, die eigene Mannschaft nicht aus zu pfeifen und während der 90 Minuten positiv zu unterstützen, ist seit Jahrzehnten Konsens in der Anhängerschaft; wurde in der Ära Sandro Wagner aber auf eine harte Probe gestellt. Trotz vieler klarer Worte standen wir Fans dennoch am nächsten Wochenende wieder wie gewohnt als 12. Mann an der Stelle, an der wir auch immer stehen wollen: hinter der Mannschaft unseres FCA. Diese Gewissheit hat unseren Verein bisher in jedem Abstiegskampf gestärkt.
Das Sportliche ist für uns Fans ein zentraler Faktor im Kosmos FCA, bei weitem aber nicht der Einzige. So beschäftigte uns der Videobeweis gerade in der Rückrunde intensiver als es sein müsste. Das Fabulieren von Gerechtigkeit nimmt auch in der neunten Saison mit VAR immer groteskere Züge an. Diskutierten Fans Anno dazumal über Fehlentscheidungen der Schiedsrichter auf dem Rasen, sind die Inhalte nunmehr ausbleibende Eingriffe trotz offenkundiger Fehler und eine in Erklärungsschleifen verhaftete Schiedsrichterzunft. Emotionen wurden vermeintlich gegen Sicherheit eingetauscht. Im Ergebnis aber haben wir das eine verloren und das andere nicht gewonnen.
In aller Deutlichkeit artikulierte die Ulrich-Biesinger-Tribüne, und auf ihr dutzende Fanclubs, im Heimspiel gegen Heidenheim was sie vom VAR hält: Der Videobeweis raubt uns die Freude am Fußball!
Der Grat zwischen den wirtschaftlichen Notwendigkeiten eines Bundesligavereins und dem Verschachern der eigenen Identität ist schmal. Manchmal gelingt uns dies als FCA besser, manchmal schlechter und manchmal wiederholt sich leider schlechtes Gelingen. Mit dem jüngsten Sondertrikot zeigt sich eine hohe Beratungsresistenz in der Geschäftsstelle des FCA. Nur weil es Geld bringt, ist es nicht automatisch richtig.
Die Verbindung etlicher Trikots zur Geschichte der Stadt und der Region ist ein smarter Zug, der in weiten Teilen der FCA-Familie auf Begeisterung stößt. Hier ist von den verantwortlichen Personen gute Arbeit geleistet worden. Nichtsdestotrotz wandern wir aktuell leider abermals auf der falschen Seite des schmalen Grates. Aus den Fehlern des unangenehmen und als künstlich empfundenen Hypes rund um das Römertrikot 2.0 wurden keine Lehren gezogen.
Es ist legitim, ein Produkt bestmöglich anzupreisen. Die Werte, die den FC Augsburg als Verein ausmachen, aber dabei außer acht zu lassen, ist es hingegen nicht.
Anstatt Fans für das Auswärtsspiel in Wolfsburg zu begeistern, wird es ihnen schmackhaft gemacht, sich zum Verkaufsstart in eine Schlange vor dem Fanshop einzureihen. Zudem entsteht erneut ein großes Unbehagen beim medialen und äußerst unangenehmen Hype, der um das Sondertrikot zu veranlassen versucht wurde.
“Augsburg ist Fuggerstadt – und das bis heute” ist der Ankündigung zum Verkaufsstart zu entnehmen. “Augsburg ist auch in der Saison 26/27 noch Fuggerstadt, da braucht es jetzt kein Sondertrikot”, möchte man darauf entgegnen. Und wenn wir schon beim Entgegnen sind: die rot-grün-weißen Vereinsfarben sind keine nette Option, sie sind elementarer Bestandteil unserer Identität.