Oder frei nach Roy Bianco & den Abbrunzati Boys: „Ciao, Vereinsfarben?“
Der letzte Blick über den Tribünenrand endete mit den Worten:
„Und wenn wir schon beim Entgegnen sind: Die rot-grün-weißen Vereinsfarben sind keine nette Option – sie sind elementarer Bestandteil unserer Identität.“
Es liegt also nicht nur am berüchtigten Sommerloch, dass dieses Thema erneut auf den Tisch kommt. Ein kurzer Blick in den aktuellen Fanshop genügt: Trainingskleidung in Mint, FCA-Lifestyle-Shirts in Pink, die „Flowers“-Kollektion in Lila und Flieder und natürlich noch immer die Restbestände des Kapitalismus’ Example par excellence: das dunkelblaue Fuggerstadt-Sondertrikot.
Wer jetzt glaubt, wir würden uns an ein paar bunten T-Shirts abarbeiten, liegt falsch. Denn dass uns diese Entwicklung beschäftigt, ist nichts Neues. Bereits beim letzten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach haben wir unsere Kritik auf der Ulrich-Biesinger-Tribüne deutlich gemacht:
„Kollektionen, die sowieso keiner liebt.
Vereinsfarben längst vom Trendgefühl besiegt.“
Wenige Tage vor der Vorstellung der Trikots für die Saison 2026/27 lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf die Entwicklung des Merchandise des Fußball-Clubs Augsburgs in den vergangenen Jahren. Denn längst geht es nicht mehr um einzelne Produkte oder eine in unseren Augen missglückte Kollektion. Es geht um die grundsätzliche Frage, wie der Fußball-Club Augsburg sich selbst versteht und folglich, wie er sich nach außen präsentiert.
Das Fuggerstadt-Sondertrikot steht dabei exemplarisch für diese Entwicklung. Anlass? 500. Todestag von Jakob Fugger – kann man machen, muss man aber auch nicht. Am Ende blieb vor allem der Eindruck, dass nach dem Erfolg der Römertrikots möglichst schnell das nächste „besondere“ Trikot folgen musste. Hauptsache ein bisschen Geschichte verwurschteln, solange sich der aktuelle Hype um limitierte Sondertrikots noch vermarkten lässt. Dass dieses Trikot dann auch noch dunkelblau war, wirkte in der Gesamtschau fast schon folgerichtig.
Die Geschäftsstelle hat vor einigen Jahren die Gestaltung und Vermarktung der Merchandise-Artikel wieder in die eigenen Hände genommen – ein Schritt, den wir ausdrücklich begrüßt hatten. Die ersten Kollektionen vermittelten genau das, was wir uns davon versprochen hatten: authentische Fanartikel, nah am Verein und nah an seinen Farben.
In den vergangenen Jahren hat sich dieser Fokus jedoch sichtbar verschoben. Aus Fanartikeln wurden Lifestyle-Produkte. Aus Vereinsidentität wurde Markenstrategie. Aus dem Wappen wurde das „Logo“. Nicht mehr der FCA scheint Ausgangspunkt neuer Kollektionen zu sein, sondern die Frage, welcher Trend sich als Nächstes vermarkten lässt.
Allein in der Saison 2025/26 erschienen unter anderem folgende “Kollektionen”
- Flowers
- FCA x SOCIETAS
- Stitching
- College
- Pre-Match
- Mizuno Training
- Mizuno Casual
- Fußball-Club
- Skyline
- Retro
- Classic
- Kids Teddy
- FCA x ’47
Die schiere Anzahl zeigt vor allem eines: Immer neue Kollektionen sollen immer neue Zielgruppen erschließen. Das mag wirtschaftlich nachvollziehbar sein. Gleichzeitig drängt sich aber die Frage auf, ob dabei das verloren geht, was Fanartikel eigentlich ausmachen sollten – die Identifikation mit dem eigenen Verein.
Unser FCA ist kein beliebiges Modelabel, das sich jede Saison neu erfinden muss. Er ist ein eingetragener Verein. Und dieser hat eine Satzung.
Dort heißt es unter § 1 Name, Sitz, Rechtsform, Vereinsfarben und Wappen mit Punkt
4. Die Vereinsfarben sind Rot, Grün und Weiß.
sowie
5. Der Verein führt folgendes Wappen:
Diese Formulierungen stehen dort nicht zufällig. Sie sind auch kein Relikt aus vergangenen Zeiten. Im Gegenteil: Auf der ordentlichen Mitgliederversammlung 2023 wurden die Vereinsfarben auf Antrag der Mitgliedschaft ausdrücklich in der Satzung verankert. Ein bewusster Beschluss der Mitglieder – also der Menschen, denen dieser Verein gehört.
Und genau deshalb geht es hier nicht um Geschmacksfragen. Nicht darum, ob jemand Pink, Mint oder Lila schön findet. Es geht um nichts weniger als die Identität unseres Vereins.
Geschmäcker sind verschieden. Das waren sie schon immer und das werden sie auch bleiben. Niemand verlangt, dass jeder dieselben Shirts trägt oder jede Kollektion gut findet. Und selbstverständlich spricht überhaupt nichts dagegen, neue Ideen auszuprobieren, moderne Designs zu entwickeln oder auch einmal andere Zielgruppen anzusprechen.
Unser Anspruch ist trotzdem ein anderer: Wer den FCA repräsentieren soll, auf der UBT, im Stadion, in der Stadt oder irgendwo auf der Welt, sollte sofort erkennbar sein. An Rot, Grün und Weiß. An der Zirbelnuss. An unserem Wappen. Gerne kreativ. Aber eben immer unverkennbar und deshalb wiedererkennbar!